Wahlkurs Mittelstufentheater

Im Bus der Linie S zur Stoßzeit. Ein Typ, ungefähr sechsundzwanzig, weicher Hut mit Kordel statt Band, zu langer Hals, als hätte jemand dran gezogen. Leute steigen aus. Besagter Typ regt sich über einen Nebenstehenden auf. Der remple ihn jedes Mal an, wenn einer vorbei wolle, beschwert er sich. Er sieht einen freien Platz, springt hin.

Zwei Stunden später sehe ich ihn vor dem Bahnhof Zoo wieder. Er steht da, mit einem Freund, der zu ihm sagt:“Du solltest dir einen zusätzlichen Knopf an den Mantel nähen lassen.“ Er zeigt ihm, wo am Ausschnitt.

Raymond Queneau hat diese Situation bis zur letzten Veröffentlichung über 100 mal variiert: Als Minidrama, in freien Versen, in Alexandrinern, nur aus Ausrufen bestehend, in ordinärer Ausdrucksweise,  und  und  und…..es ist ein irrwitziges Spiel mit der Sprache, das uns deren Reichhaltigkeit aufzeigt und die so triviale Szene, um die es geht, wird in der vielfältigen Variation auf einmal äußerst facettenreich und witzig.

Aufführungen am:  15. und 16. Juli jeweils um 20.00 Uhr; Dauer: ca 60 Minuten;  Eintritt frei

Inga de Coster