Zeitreise in die Anfänge der Fotografie

„Hausaufgabe: Bringt am Mittwoch einen Schuhkarton mit!“ – Wer der SchülerInnen der Klasse 7d hätte gedacht, dass daraus eine funktionierende Fotokamera entsteht! Gerade in unserer heutigen schnelllebigen Zeit, in der sich technische Entwicklungen in rasender Geschwindigkeit übertrumpfen und viele Geräte als Black Boxes wahrgenommen werden, war es uns ein besonderes Anliegen mit möglichst einfachen Mitteln den Anfängen der Fotografie auf die Spur zu kommen. Die Idee, im Rahmen eines fächerübergreifenden Unterrichtsprojekts eine Lochkamera zu bauen, war geboren!

Zunächst hieß es, die Funktionsweise einer solchen Lochkamera zu durchdringen. Dazu experimentierten die SchülerInnen im Physikunterricht jeweils in Zweierteams. Dabei projizierten sie einen Gegenstand durch eine Lochblende auf einen Schirm und machten gleich die wichtigsten Entdeckungen: „Das Bild steht ja auf dem Kopf!“ – „Und spiegelverkehrt ist es auch noch!“ Durch Variationen von Gegenstands- und Bildweite und durch Austausch der Blenden erforschten die SchülerInnen, unter welchen Einstellungen richtig scharfe Bilder entstehen. Schließlich entdeckten sie sogar einen rechnerischen Zusammenhang, der sie vorhersagen ließ, wie weit sie sich von ihrem gewünschten Fotomotiv entfernt positionieren müssen, um mit ihrer Lochkamera das Bild bestmöglich einzufangen. Eine beachtliche Leistung für die Siebtklässler!

Parallel zum experimentellen Teil machten die SchülerInnen sich im Kunstunterricht eifrig ans Werk. Um Reflexionen im Inneren des „Kameragehäuses“ zu vermeiden, wurde der Karton innen völlig schwarz gefärbt. Es wurde mit schwarzem Tape geklebt, nochmals übermalt und improvisiert, um Streulichteinfälle am Deckel zu verhindern. Anschließend hieß es mit größter Sorgfalt ein winziges Loch in eine Alufolie zu stechen, die an einer der Seitenwände des Kartons an die Stelle einer Aussparung angebracht wurde.

Doch wie lichtdicht sind die Kameras tatsächlich geworden? Dies konnten die SchülerInnen in der folgenden Doppelstunde herausfinden. In einem zum Fotolabor umfunktionierten Materialraum brachten die SchülerInnen bei Rotlicht Fotopapier im „Kameragehäuse“ an und ab ging es damit nach draußen! Bei trüben Spätnovemberwetter mussten die Schüler sich (je nach Größe des Loches) etwa fünf Minuten gedulden, bis sie mit dem belichteten Fotopapier (natürlich jetzt wieder lichtdicht isoliert) zum Entwickeln in die Dunkelkammer zurückkehren konnten. Schon nach einem kurzen Eintauchen des Fotos in das Entwicklerbad (gefolgt vom Stop- und Fixierbad und letztlich dem Wasserbad) zeichnete sich anhand der Konturenschärfe und Grauabstufung ab, ob das Loch wirklich klein genug angestochen wurde und ob die Kamera tatsächlich lichtdicht war. Hier und da mussten noch Verbesserungsarbeiten an den Kameras vorgenommen werden und raus ging es zum nächsten Schnappschuss!

Entstanden sind viele beeindruckende schwarz-weiß Negative, die effektvoll die Architektur unseres Schulhauses eingefangen haben. Trotz des im Alltag gewohnten Umgangs mit Spiegelrefelexkameras etc. waren die SchülerInnen davon begeistert, von A bis Z an der Entstehung von Fotos selbst beteiligt gewesen zu sein. Ein Unterrichtsprojekt, das auch uns als betreuenden Lehrern Spaß gemacht hat!

Agnes Drotleff und Michael Hinterleitner