„Zeit schenken und da zu sein, ist etwas tolles!“ Begegnung im St. Vinzenz-Hospiz

Artikel von Ella Assum

Am 25.03.2026 besuchten wir im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichts und des Diakonischen Lernens das St. Vinzenz-Hospiz in Augsburg-Oberhausen. Unser Ziel war es, Schwellängste zu überwinden und zu verstehen, wie Sterbebegleitung in der Praxis aussieht. Was wir dort erleben durften, war jedoch etwas ganz anderes als die traurige Vorstellung, die man oftmals von einem solchen Ort hat.

Beim Betreten des Hauses wurden wir von Simone Daumiller-Wörle und Wolfgang Guggenberger empfangen. Sie machten uns zu Beginn klar, dass dies kein klassisches Krankenhaus, sondern ein Ort ist, an dem der Rhythmus der Gäste bestimmt, was passiert. Ganz egal, ob es zum Beispiel um Essenswünsche oder um den Tagesablauf geht.

Das stationäre Hospiz verfügt über 16 Zimmer. Die Finanzierung ist gesetzlich geregelt, wobei 95% der Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Die verbleibenden 5% muss der katholische Träger durch Spenden selbst aufbringen. Dies sind zirka 400.000 € pro Jahr. Es gibt bestimmte Aufnahmekriterien für das stationäre Hospiz: eine unheilbare, fortschreitende Erkrankung mit einer Lebenserwartung von nur noch einigen Wochen oder Monaten. Für diejenigen, die noch zuhause leben können, gibt es als Angebot den ambulanten Hospizdienst. Hier leisten vor allem ehrenamtliche Mitarbeiter wertvolle Arbeit, um Angehörige zu entlasten und Beistand zu leisten.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der im Expertengespräch thematisiert wurde, war die Palliativversorgung. Hierbei geht es nicht mehr um Heilung, sondern um die Linderung von belastenden Beschwerden. Schmerzen werden durch Medikamente und die Pflege so behandelt, dass die Lebensqualität bis zuletzt erhalten bleibt. Überraschend für mich war, wie viel Wert auf „Kleinigkeiten“ gelegt wird. Dies kann ein besonderes Essen oder einfach nur das „Dasein“ von Menschen sein und all das ist ganz anders als in einem gewöhnlichen Krankenhaus.

Mein persönliches Fazit lässt sich gut mit einem Satz des Ehrenamtlichen Wolfgang Guggenberger zusammenfassen: „Zeit zu schenken und da zu sein, ist etwas Tolles!“ Ich habe gelernt, dass ein Hospiz kein dunkler Ort ist, sondern ein Ort der Begleitung, an dem Menschen nicht allein gelassen werden. Die Schweigepflicht der Mitarbeitenden und ihr vertrauensvoller Umgang sorgen dafür, dass die Gäste sich sicher fühlen können. Der Besuch hat mir auch gezeigt, dass Sterben ein Teil des Lebens ist, der mit viel Liebe und Fachkompetenz gestaltet werden kann, denn im Hospiz steht nicht mehr nur die medizinische Hilfe im Zentrum, sondern der Mensch als Gast, dessen Selbstbestimmung bis zum Schluss gewahrt wird.