Artikel von Dr. Martin Dorner
„Ich fand es richtig toll, dass sich die Gäste auf die Gespräche mit uns eingelassen haben.“ 40 Schülerinnen und Schüler aus dem evangelischen Religionsunterricht helfen 400 Gäste in der ökumenischen Vesperkirche Augsburg zu bewirten.
Carmen war eine der Schülerinnen und Schülern aus den 8. und 10. Klassen, die sich am 18. Februar in der Vesperkirche St. Paul in Augsburg-Pfersee engagierten. Ihr wichtigstes Erlebnis drückt sie so aus: „Mit Hilfe von Gesprächskarten habe ich mit meiner Freundin Anne richtig viel über einige Gäste erfahren. Sie waren sehr offen. Es war spannend zu hören, warum sie zur Vesperkirche kommen. Schön war auch, dass sie mir zum Beispiel erzählt haben, wie es war, als sie noch Kinder waren, oder wie sie sich Gott vorstellen.“
Die evangelische Kirche St. Paul in Augsburg-Pfersee verwandelte sich für 14 Tage im Februar in ein Gasthaus und blieb doch eine Kirche. Alle Gäste, egal ob arm oder reich, alt oder jung, religiös oder nicht religiös, konnten dort zu einem symbolischen Preis (ab 1.- €) zu Mittag essen. Die Vesperkirche ist ein großes Event, denn zwischen 300 bis 400 Menschen essen dort täglich. Ihr Ziel ist, Vereinzelung entgegenzuwirken und armen Menschen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Der Kirchenraum ist der wichtigste Ort einer Gemeinde und deshalb auch der ideale Ort einer grenzenlosen Gastfreundschaft.
Am Tag ihres Einsatzes stellten die 40 Schülerinnen und Schüler aus dem SGD einen Großteil der Ehrenamtlichen in den Bereichen „Begegnung“, „Essensausgabe“, „Kaffee und Kuchen“ und „Getränkeservice“. Sie waren sehr motiviert, denn es wurde jede Hand gebraucht. Der Ansturm war so gewaltig, dass irgendwann das warme Essen mit Schweinebraten und Knödel und auch die vegetarische Variante ausgingen und belegte Brote herhalten mussten.
Das Ziel des Einsatzes unserer Schülerinnen und Schüler bei der diakonischen Aktion war jedoch nicht nur körperlich zu helfen und Essen über eine Theke zu reichen. Gleichbedeutend war, sich zu den Gästen an die Tische zu setzen und den Kontakt mit ihnen völlig unbekannten Menschen zu suchen. Hierbei halfen z. B. der fahrbare Kaffeewagen, aber auch Karten mit Gesprächsimpulsen, die zuvor im Unterricht gestaltet wurden. Sehr hilfreich waren dabei auch Emilias und Miyas Waffelstand oder ein bunter Dosenwurfstand, der von mehreren Schülerinnen betreut wurde.
Mia sagt, sie nehme vor allem zwei Erlebnisse aus der Vesperkirche mit nach Hause. Einmal, dass „eine so banale Sache wie Kaffee“ und „ein offenes Lächeln“ hilft, mit Menschen in Kontakt zu kommen und zum anderen das Vertrauen, dass eine 92-jährige Frau ihr von der ersten Sekunde an entgegengebracht hat.
Diakonisches Lernen in der Vesperkirche wurde von Katharina Zöbelein und Dr. Martin Dorner gemeinsam geplant und durchgeführt.





