Artikel von Dr. Martin Dorner, Pfarrer und Lehrkraft für Evangelische Religion
Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs katholische und evangelische Religion im St. Vinzenz-Hospiz in Augsburg-Oberhausen
Als ich am Anfang des Schuljahres meinen Schülerinnen und Schülern das Jahresprogramm für den Religionsunterricht vorstellte und dabei auch einen Besuch im Hospiz erwähnte, äußerten viele, dass dies für sie ein sehr wichtiges Thema sei, dass sie davor aber auch Respekt hätten. In den Wochen vor Ostern war es dann so weit! Die Schüler und Schülerinnen bereiteten sich im Unterricht darauf vor, über die Schwelle zu treten und ein Hospiz einmal von innen zu sehen. Den Schülern aus dem katholischen und evangelischen Religionsunterricht war schnell klar: Sie wollten nicht mit leeren Händen dort ankommen. So organisierte Lucas eine große Cookie-Backaktion und viele beteiligten sich! Dutzende Tüten mit Cookies u. a. in Herzform wurden liebevoll verpackt und mit persönlich gestalteten Karten versehen. „Sie“, so äußert sich Lucas am Tage des Besuch gegenüber den Mitarbeitenden Silke Meinel und Simone Daumiller-Wörle, „sind für alle Beschäftigten und Ehrenamtlichen, die Angehörigen der Gäste und natürlich auch für die Gäste selbst.“ Auf den Karten der Päckchen steht z. B. „du bist etwas ganz Besonderes“, oder „wo Liebe wirkt, ist Gott mitten unter uns.“
Silke Meinel (Ambulante Hospizbegleitung und Palliativberatung) und Simone Daumiller-Wörle (Ambulanter Hospizdienst und Hospizkoordinatorin) haben sich intensiv auf unseren Besuch vorbereitet. Am Anfang standen notwendige Information zu Hospiz und Palliativversorgung und zur Finanzierung eines Hospizplatzes. Dann aber erzählten sie von sich und davon, dass sie beide als Pflegekräfte lange auf Intensivstationen arbeiteten, jetzt aber glücklich in der ambulanten Hospizbegleitung und als Hospizkoordinatorin seien. „Irgendwann“, so sagten sie fast wortgleich, „sei etwas anderes in ihrem Leben beruflich dran gewesen.“ Sie gingen auf alle Fragen der Schüler ein, z. B. welche Wünsche Gäste haben, welchen Stellenwert das Essen im Hospiz hat und wie es ihnen gelingt, belastende Erfahrungen „nicht mit nach Hause zu nehmen.“
Darauf folgte der Gang in den Bereich der Gästezimmer und auch der Besuch eines freien Gästezimmers. Alle Zimmer sind modern eingerichtet, alles ist sauber und jedes Zimmer hat eine große Schiebetür, um entweder selbst in den Garten zu gehen oder zumindest den Duft von Rosmarin, Lavendel und vielen anderen Kräutern und Blumen zu spüren.
Für die beiden Pflegekräfte hatte der Austausch mit den Schülerinnen und Schülern die höchste Priorität. Eine Mitte mit vielen Fotomotiven bot den Anlass über individuelle Wahrnehmungen zum Hospiz und seinen Gästen zu sprechen. Timo wählte dabei eine Karte mit einem Südseestrand, einer Schatzkiste und drei großen Segelschiffen aus. Er erklärte seine Wahl so: „Das Hospiz ist für Gäste vielleicht wie eine Schatzkiste. Du musst hier nichts mehr leisten. Du wirst gut umsorgt. Du kannst viele Wünsche äußern. Dann holt dich irgendwann das Schiff ab und du wirst zu einer neuen Reise aufbrechen.“
Den Besuch und die Begegnung im Hospiz begleiteten folgende Lehrkräfte: Florian Krappmann, Martina Brem, Katharina Zöbelein und Dr. Martin Dorner.







