
#England #war #geil …das dürfte wohl unter dem einen oder anderen Instagrambild unserer Neuntklässler gestanden haben, nachdem sie am Samstag, dem 23. März von ihrer einwöchigen Englandklassenfahrt zurückkamen.
Doch bevor es losging, hatten sie erst einmal eine 16-stündige Busfahrt vor sich. Jeder hatte seine eigene Strategie, wie er am Sonntagnachmittag doch halbwegs lebendig aus dem Bus steigen konnte – auf jeden Fall waren eine Menge Cola, Kaffee, Chips, Schokoladentafeln und zugestöpselte Ohren im Spiel. So waren wir bei der Ankunft in England alle mehr oder weniger fit für die sofortige Besichtigung von Dover Castle, einer sehr authentisch eingerichteten mittelalterlichen Burg mit coolen Geisteranimationen. Wer sich alle Räume angeschaut hatte, konnte aufs Aussichtsplateau auf dem Dach der Burg klettern und den Ausblick auf die typisch englische Landschaft genießen. Grün, grau, nass – hach, wir waren endlich in England! Völlig erschöpft fuhren wir noch circa 1 ½ Stunden weiter nach Broadstairs, wo wir die nächsten sieben Tage verbringen sollten. Nach einem kleinen Stadtrundgang auf eigene Faust fuhren wir zu dem Parkplatz, von dem uns dann nach und nach unsere Gasteltern abholten. Übrigens, falls ihr die nächsten Jahre mal fahrt, beurteilt die Leute nicht nach dem Aussehen, die Frau, die im Bademantel zum Abholen gekommen war, war doch ganz cool.

Wir fuhren mit ihnen in die Häuser, die alle in Broadstairs waren, würgten das englische Essen hinunter – Spaß, so schlimm war es gar nicht – und gingen ins Bett, damit wir am nächsten Tag fit für die Sprachschule waren. Am Morgen, als wir endlich wieder alle geduscht, ausgeschlafen und halbwegs ansehnlich waren, bemerkten wir gleich den ersten Vorteil des englischen Schulsystems – der Unterricht beginnt erst um neun Uhr. Wir trudelten in verschiedenen Klassenzimmern ein, da wir in Gruppen zu je fünfzehn mit Schülern aus aller Welt, z.B. Belgiern, Estland etc. eingeteilt waren. Nach ein paar Sicherheitsanweisungen und Regeln, die uns selbstverständlich alle auf Englisch mitgeteilt wurden, absolvierten wir einen schriftlichen Grammatiktest, mit dessen Ergebnis unser Sprachniveau ermittelt wurde und somit unser Kurs, den wir für die restliche Woche besuchen würden. Nach ein bisschen Blabla wurden wir dann in die Mittagspause entlassen, wo jeder erstmal auf die typisch englischen Fish’n Chips-Buden losstürmte. Naja, große Stürme der Begeisterung hat es bei den meisten nicht ausgelöst, aber wir haben es wenigstens probiert. Zum Glück konnte man unter anderem auf Burgerläden, süße Cafés oder den örtlichen Supermarkt ausweichen. Nachdem wir alle satt und glücklich waren, ging um 14 Uhr unsere erste Nachmittagsaktivität los – eine Stadtrallye. Zuvor schauten wir uns noch einen kurzen Sicherheitsanweisungsfilm an – wer auf 90er Jahre Outfits steht, unbedingt angucken! – dann bekamen wir auch schon die Bögen mit den zu beantwortenden Fragen ausgeteilt. Und diese waren nicht einfach. Während manche beim Anblick der Aufgaben gleich kapitulierten, strengten sich andere Gruppen 1 ½ Stunden lang an und fanden etwas über die Geschichte Broadstairs heraus, wie z.B. dass der berühmte Autor Charles Dickens hier eines seiner Bücher geschrieben hatte. Die drei besten Gruppen wurden mit jeweils einer Tüte englischer Süßigkeiten (unbedingt Resees Peanutbuttercups probieren!), belohnt, dann gingen wir zu unseren Gastfamilien zum Abendessen.

Um 20 Uhr trafen wir uns wieder zur Abendaktivität, die an diesem Abend in der Baptist Church stattfand. Ohne große Erwartungen gingen wir zum Folksong Abend…und hatten wahnsinnig viel Spaß! Mit einer Band sangen wir Lieder der 60er und 70er, also Beatles & Co, und auch Folkklassiker wie „What shall we do with the drunken sailor“. Fröhlich und erschöpft kehrten wir danach wieder in unsere Gastfamilien zurück und fielen in unsere Betten. Am Dienstag begann der Unterricht in verschiedenen Gruppen, die von Level 1-5 eingeteilt waren. So war jeder mit Leuten im Kurs, die ein ähnliches Englischniveau hatten und alle Nationalitäten waren durchgemischt – eine interessante Erfahrung. Alles in allem lässt sich sagen (zumindest für mich), dass der Unterricht die ganze Woche toll war, wir haben viel diskutiert und viel Neues gelernt, wir haben fast nur praktisch gesprochen, und nur wenig geschrieben. Wenn der Unterricht nur immer so wäre! Heute hatten wir nach der Schule Options, das heißt wir konnten aus verschiedenen Aktivitäten, wie z.B. Volleyball, Tischtennis oder Arts and Crafts, also Handarbeiten, wählen. Nach dem Abendessen stand heute Disko auf dem Plan, wofür die KSE extra einen Pub reserviert hatte. Mit vielen anderen Schülern tanzten wir den ganzen Abend und es wurden neue Kontakte geknüpft. Am Mittwoch machten wir einen Ausflug nach Canterbury, wo wir zuerst eine Stadtführung von den Kent-School-of-English-Teachern bekamen, einen hölzernen Stuhl besichtigten, auf dem früher Hexen ertränkt wurden und anschließend noch Zeit zum Shoppen hatten. Abends ging es in das kleine süße Kino von Broadstairs, das mit Retrocharme bestach und schauten „Shaun das Schaf“ an. Zurück zu unseren Familien gingen wir über die Strandpromenade und bewunderten das wundervolle englische Meer bei Nacht. Am darauffolgenden Tag machten wir wieder einen Ausflug, diesmal nach Sandwich, wo übrigens das Sandwich erfunden wurde, was meiner Meinung nach ein ganz entzückendes kleines Städtchen ist. Wir besichtigten zwei mittelalterliche Kirchen und einen Friedhof und hatten danach noch Freizeit, die die meisten von uns zum Sandwichessen nutzten. Am Abend ging es erst richtig los, da war nämlich heute Barn Dance für uns vorgesehen. Barn Dance kann jeder. Du, ich, die Lehrer, alle. Im Endeffekt hakt man sich unter, dreht sich linksrum, rechtsrum, hampelt aneinander vorbei, alles zu irischer und englischer Volksmusik. Die Hauptsache ist, dabei zu sein und Spaß zu haben, und den hatten wir auf jeden Fall! Den Donnerstagnachmittag verbrachten wir in einem Shoppingkomplex in der Nähe von Broadstairs, wo sich alle gleich auf den riesigen Primark stürzten, sich mit nur in England erhältlicher Kosmetik und Elektronik eindeckten und den ganzen Nachmittag über massenweise Geld ausgaben. Den Abend ließen wir dann bei Karaoke ausklingen, und die Lehrer, die es an dem Abend nicht mehr auf die Bühne schafften, sangen uns dann am Samstag im Bus noch „Whiskey in the jar“ vor. Doch zuerst noch zum Freitag, der unser letzter Unterrichtstag war. Nach dem Mittagessen, das wir ein letztes Mal in Broadstairs aßen, fuhren wir mit all unserem Gepäck im Kofferraum nach London, und siehe da – an diesem einzigen Tag unserer Reise schien die Sonne über England! In der Stadt kämpften wir uns durchs Londoner U-Bahnnetz, um dann wahlweise das Wachsfigurenkabinett Madame Tussaud’s oder den Gruselkerker London Dungeon zu besuchen. Danach hatten wir noch 1 ½ Stunden Freizeit in Covent Garden, einer Art Nobelshoppingzentrum im Herzen Londons, in dem sich unter anderem ein Willi-Wonka-Süßigkeitenladen befindet (Tipp für alle, die Charlie und die Schokoladenfabrik gesehen haben).

Völlig fertig traten wir dann die Busfahrt an, die viele krank und noch mehr schlafend verbrachten. So eine Woche voller interessanter neuer Eindrücke schafft einen eben doch ganz schön! Ich denke aber, dass jeder von uns viele schöne Erinnerungen mit nach Deutschland genommen hat und uns diese tolle Fahrt noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

An dieser Stelle auch noch einmal ein herzliches Dankeschön an Frau Link, Frau Streubert, Herrn Hartmann und Herrn Gehrmann, die uns stets humorvoll und gut gelaunt begleiteten und diese Reise unter anderem zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.
Lea Burger, 9b










