Robert Domes liest aus seinem Buch „Nebel im August“

Geschichte aus einer völlig neuen Perspektive erlebten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 am 18.11.2014. Im Rahmen der „Diedorfer Kinder- und Jugendbuchtage“ war der Autor und Journalist Robert Domes zu Gast, um seinen Roman „Nebel im August“ vorzustellen.
Das Buch dreht sich um die Lebensgeschichte des Ernst Lossa, der als kleines Kind von seinen Eltern getrennt wird, welche sich angeblich nicht ausreichend um ihn kümmern können. Der Grund: Nach der Machtergreifung im Jahr 1933 richtet sich die Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten auch gegen die Jenischen, fahrende Händler, zu denen auch die Familie Lossa zählt. Die Jenischen stellen zu dieser Zeit nur eine kleine Minderheit in Deutschland dar, werden jedoch als „Zigeuner“ diffamiert. Ernst findet sich zunächst in einem Augsburger Kinderheim wieder, wo ihm das Leben von älteren Kindern und dem Pflegepersonal zur Hölle gemacht wird. Doch auch von dort wird er abgeschoben, so dass er zunächst in ein Heim in Markt Indersdorf und schließlich in die Heilanstalt Kaufbeuren bzw. deren Nebenanstalt Irsee eingewiesen wird. Als psychisch und physisch völlig gesunder Junge verbringt er sein Leben zusammen mit körperlich und geistig teilweise schwerstbehinderten Menschen, deren Existenz von den Nationalsozialisten als „lebensunwertes Leben“ betrachtet wird. Aus nächster Nähe erlebt er das Grauen der Anstalten – und die Ermordung kranker, wehrloser Menschen im Rahmen des „Euthanasie-Programms“. Obwohl er völlig gesund ist, wird auch er getötet: Eine Überdosis Morphium beendet im August 1944 sein Leben – nach nicht einmal 15 Jahren.
Das Besondere und Tragische an dem Buch: Er ist keineswegs literarische Fiktion, sondern fußt auf einem wahren Schicksal. Ernst Lossa hat es wirklich gegeben. Robert Domes schrieb einen biographischen Roman, der sich auf akribische Recherchen stützt. Jede der vorkommenden Figuren hat ein genauestens recherchiertes, historisches Vorbild. So konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur anhand berührender Textstellen in das Schicksal des Ernst Lossa eintauchen, sondern erfuhren aus erster Hand, welch umfangreiche Arbeit nötig war, diesen Roman zu Papier zu bringen.
Wie interessiert die beiden Klassen der Lesung folgten, zeigte sich auch im letzten Teil der Veranstaltung: Die veranschlagte Zeit reichte für die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler bei Weitem nicht aus.
Unser Dank gilt daher Herrn Domes für eine packende und berührende Lesung, jedoch auch der Evangelischen Gemeinde Diedorf, die uns ihre Kirche als besonderen und würdigen Ort für die Veranstaltung zur Verfügung stellte.

Andreas Wagner