Organspende: „Bist du bereit, eine Entscheidung zu treffen?“

Paralympicssiegerin Franziska Liebhardt spricht am SGD über Organspende

Artikel von Viola Kinzler 

Am 27. Januar besuchten uns Dr. Florian Sommer vom Transplantationszentrum des Uniklinikums Augsburg und Franziska Liebhardt, Paralympicssiegerin von Rio de Janeiro 2016, um der 10. und 11. Jahrgangsstufe einen umfassenden Einblick in das Thema Organspende zu geben.

Zunächst erklärte Dr. Sommer uns den medizinischen Ablauf, die nötigen Voraussetzungen für eine Transplantation, die rechtliche Situation in Deutschland und die Hirntoddiagnostik. Als besonders interessant empfanden wir, dass die Entscheidungslösung nur in Deutschland existiert. Diese sieht vor, dass jede Person sich zu ihrer Lebenszeit entscheiden sollte, ob sie ein Organspender sein möchte oder nicht. Ansonsten werden die Angehörigen mit der Entscheidung belastet und es ist unklar, ob wirklich der Wille des Verstorbenen erfüllt wird.

Zu der häufig geäußerten Sorge, dass mit einem Organspendeausweis nicht mehr alles für das eigene Leben getan wird, erwiderte Dr. Sommer, dass der Hirntod von zwei voneinander unabhängigen Fachärzten festgestellt werde und diese Angst somit unbegründet sei.

Anschließend teilte Franziska Liebhardt ihre beeindruckende Biografie mit uns. Sie erzählte uns von ihrem Leben als Leistungssportlerin und ihren Erfahrungen mit Organspende. Frau Liebhardt leidet unter einer Krankheit, bei der das Immunsystem auch die „guten Zellen“ des Körpers angreift, sodass Stück für Stück die Funktionen der Organe nachlassen. Als sie Anfang zwanzig erkrankte, konnte sie zum Schluss nur noch wenige Schritte gehen und fast nicht mehr sprechen, da sie zu erschöpft war. Insgesamt bekam Frau Liebhardt zweimal eine Lunge und einmal eine Niere transplantiert. Bei der Niere handelte es sich um eine Lebendspende von ihrem Vater.

Trotz der schweren Schicksalsschläge gelang es ihr bei den Paralympics in Rio 2016 die Goldmedaille im Kugelstoßen zu gewinnen.

Ihr Lebenswille, ihr Ehrgeiz und ihre Entschlossenheit inspirierten und berührten uns alle sehr.

Insgesamt lag der Fokus des Vortrags nicht darauf, dass wir überredet werden sollten, selbst Organspender zu werden. Vielmehr sollte dem Publikum ins Bewusstsein gerufen werden, wie essentiell es ist, eine Entscheidung zu treffen.

Emilia Biskup und Nina Lehner, 11c

Weitere Stimmen aus der Q11

Ich persönlich halte einen Organspendeausweis für sinnvoll, um im Ernstfall Klarheit zu schaffen und Leben zu retten.

Die bewegende Geschichte von Frau Liebhardt machte das Thema für uns alle sehr viel greifbarer und emotionaler.

Frau Liebhardts Bericht verdeutlichte, wie lebensrettend eine Organspende sein kann.

Die Vorträge waren aufschlussreich, gewinnbringend und inspirierend. Besonders die mitreißende, persönliche Geschichte von Franziska Liebhardt brachte uns die Bedeutung der Organspende nahe.

Viele Menschen setzen sich nicht aktiv mit dieser Frage auseinander, obwohl es jeden betreffen kann – sei es als Empfänger oder als möglicher Spender.