Tag des Vorlesens in der 5. Jahrgangsstufe

Am 20. November fand am Schmuttertal-Gymnasium der Tag des
Vorlesens für die 5. Klassen statt. Doch im Vergleich zu den vergangenen Jahren, an denen Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen den FünftklässlerInnen aus selbst ausgewählten Werken der Jugendliteratur vorgelesen hatten und anschließend mit den Kindern Lesezeichen gebastelt hatten, lief dieser Tag im Herbst 2020 ganz anders ab, musste doch aus gesundheitlichen Gründen darauf geachtet werden, Leute von Außen möglichst aus dem Klassenverband herauszuhalten. So lag es nahe, die klasseneigenen Lehrer als Vorleser zu gewinnen. Da aber gerade im Deutschunterricht nicht selten auch von der Lehrkraft vorgelesen wird, sollte den Schülern und Schülerinnen insofern eine besondere Situation geboten werden, als dass Lehrer anderer Fächer das Vorlesen übernahmen. Und so durften sich die Klassen, die Präsenzunterricht hatten, über kleine Lesungen in Fächern wie Kunst, Mathematik und Natur und Technik freuen, nur der Klasse 5e wurde aus Organisationsgründen tatsächlich im Deutschunterricht vorgelesen.

StRin Katharina Zöbelein

Gefragt, aus welchen Gründen sie sich für die gewählte Lektüre entschieden hat, antwortet Frau Zöbelein, die Mathematik-Lehrerin der 5b:

Als Mathelehrerin? Vorlesen? Warum eigentlich nicht…  Meinen Kindern lese ich doch zuhause auch vor! Vor der Schulzeit der Kinder habe ich mehrmals täglich gelesen. Ein tolles Ritual, um gemeinsam zur Ruhe zu kommen – nicht nur bei Regenwetter: Wenn man mal keine Lust zum Malen und Basteln hat, wenn gerade Langeweile oder schlechte Laune herrscht oder einfach, wenn ein spezielles Interesse an einem Thema aufkommt. Lesen muss man üben für die Schule, aber vor allem ist es auch ein gemeinsames Erlebnis. Inzwischen ist das Vorlesen oft zu einem abendlichen Ritual reduziert worden. Oder etwas, was besonders in der Vorweihnachtszeit zelebriert wird.

Fantastische Bilder im Kopf entstehen natürlich nicht allein durch die Sprache. Die Handlung muss einen ebenso fesseln. Deswegen habe ich für die 5b ein Buch gewählt, das vor allem die Fantasie der Kinder anregt, spannend ist und mich in meiner eigenen Kindheit sehr fasziniert hat: „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende.  Meine alte Ausgabe enthält so gut wie keine Bilder. Also bestand die Herausforderung darin, beim Vorlesen die unterschiedlichen Schriftfarben des Buches kenntlich zu machen. Die Rahmenhandlung des Bastians, der die „Unendliche Geschichte“ im Antiquariat entwendet, ist lila geschrieben. Die innere Handlung, die in Fantasien spielt und mit Atréju ihren Hauptprotagonisten hat, ist grün gedruckt. Beim Selbstlesen ist das Wechseln der Handlungsebene durch die Farbe einfach zu verstehen. Beim Vorlesen muss man das berücksichtigen. Außerdem habe ich zwischendurch immer mal wieder Passagen nur erzählt, da wir sonst in der kurzen Zeit nicht so viele Personen und Details hätten kennenlernen können.

Es hat mir sehr viel Freude bereitet, in die gespannten Gesichter der Kinder zu schauen.

StRin Franziska Raffler

Und Frau Raffler, die an diesem Tag in der 5d in ihrem Natur und Technik-Unterricht vorgelesen hat, verrät uns über ihre Gedanken zur Lektüreauswahl:

Welches Buch hat mir in dem Alter meiner Schüler gefallen? Das habe ich mich gefragt, als ich gebeten wurde, ein Buch für den Vorlesetag auszuwählen.
„Der Brief für den König“ von Tonke Dragt war mein absolutes Lieblingsbuch. Ich habe es sicher vier- oder fünfmal gelesen, weil es so spannend war (und ich in den Helden, Ritter Tiuri, auch etwas verliebt war…). In dem Jugendroman geht es um Tiuri, der in der Nacht vor seinem Ritterschlag einem Unbekannten hilft, und dabei seine „Karriere“ und sein Leben aufs Spiel setzt. Diese Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft und dieser Mut, die der junge Ritter zeigt, faszinieren wohl Kinder und Jugendliche in allen Zeiten.

Die Schüler durften während des Vorlesens Ritterschilde malen. Die meisten fanden schon den Anfang der Geschichte spannend (es wird noch viel spannender!) und vielleicht konnte ich den einen oder anderen motivieren, sich dieses Buch zu Weihnachten zu wünschen, so dass auch er oder sie in diese Geschichte abtauchen kann.

OStR Stefan Zick

In der Klasse 5e las Herr Zick vor. Folgende Gedanken haben ihn zur Wahl seiner Lektüre bewogen:

Ich habe in der 5e aus dem Werk „Tintenherz“ von Cornelia Funke gelesen. In der „Tintenwelt“-Trilogie wird in wunderbar bildhafte Sprache eine phantastische Welt geschaffen, die immer wieder in unsere reale Welt hineingreift. Außerdem wird Büchern hier eine unheimliche Wertschätzung entgegengebracht, die bei uns oft fehlt. Deshalb lese ich meinen fünften Klasse aus „Tintenherz“ vor. Und die Kinder warten sehnlichst auf die Fortsetzung.

StRin Anja Müller

Und in der 5a entschied sich die Kunstlehrerin Frau Müller für ein Hörbuch, da sie den Kindern während des Malens helfend zur Seite stehen wollte. Sie wählte das Hörbuch „Unter wilden Menschenaffen“ von Maja Nielsen, in dem neben interessanten Einblicken in die Welt der Gorillas und Schimpansen zwei bewegende Biographien der Forscherinnen Jane Goodall und Dian Fossey vorgestellt werden.

Bei den Kindern kam der Vorlesetag sehr gut an und es wurden aus ihren Reihen Stimmen laut, dass derartige Aktionen ruhig öfters im Jahr stattfinden könnten.

Die Fachschaft Deutsch bedankt sich ganz herzlich bei den vorlesenden Kollegen und Kolleginnen, die mit so viel Herzblut ihre Freude an Literatur an die Kinder weitergegen haben und den Kindern einen schönen Tag des Vorlesens bereitet haben.

A. Neumann