Recherche, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und Konzentration…

Am vergangenen Montag, den 16. April 2018, fand der Landesentscheid von Jugend debattiert in München statt.

Bereits früh morgens begann für die Regionalsieger von Jugend debattiert aus ganz Bayern die Anreise nach München. Unter ihnen auch Rebecca Gottfried aus der Klasse 9c des Schmuttertal-Gymnasiums Diedorf, die als Regionalsiegerin von Augsburg gemeinsam mit ihren Mitstreitern ein spezielles mehrtägiges Aufbauseminar in Donauwörth besuchen durfte. Nach eigenen Aussagen wurden hier nochmals Feinschliffe vorgenommen und Übungsdebatten geführt, wobei selbstverständlich auch auf sozialer Ebene neue Kontakte, teils Freundschaften geknüpft werden konnten.
Dennoch ist jeder Teilnehmer in den jeweiligen Debatten völlig auf sich allein gestellt, seine Argumente treffend zu formulieren, pointiert zusammenzufassen und im entscheidenden Moment auch Positionsgegner durch fundierte Sachkenntnis zurückzuweisen. Die Schülerinnen und Schüler treten auch auf Landesebene in Sekundarstufe I und II in zwei Qualifikationsrunden an, welche dieses Jahr im Pestalozzi-Gymnasium sowie im Maria-Theresia-Gymnasium in München stattfanden. Während in Sek II debattiert wurde, ob e-Sport in Deutschland als Sportart anerkannt und die Bekämpfung von Einsamkeit wie in Großbritannien zur Regierungsaufgabe werden soll, hatte Sek I Qualifikationsrunden zu einer Kennzeichenpflicht für Fahrräder und retuschierten Model-Fotos. Beiden Altersstufen ist gemeinsam, dass die Themen hochaktuell sind, potenzielle Chancen und Risiken auch gesellschaftskritisch betrachtet werden müssen und eine Entscheidung für bzw. gegen eine Position aufgrund der fundierten Argumente unmöglich scheint.


Nachdem der erste Teil der Landesqualifikation beendet war,  begaben sich alle Teilnehmer zum Bayerischen Landtag, dem Maximilianeum, wo jeder Einzelne einen großen Scanner aufgrund strenger Sicherheitskontrollen passieren musste. Nachmittags begann im Senatssaal der zweite Teil des Landesfinales mit der Bekanntgabe der Ergebnisse aus der Qualifikation. Während jeder Teilnehmer zunächst eine Urkunde erhielt, schaffte es Rebecca Gottfried leider nicht in die Finalrunde der letzten Vier. Doch dies tut ihrer Leistung in keiner Weise einen Abbruch, denn wie auch im Podiumsgespräch, moderiert durch Alumni (ehemalige Teilnehmer von Jugend debattiert), zur Sprache kam, ist es bereits eine herausragende Leistung, an einem Format wie Jugend debattiert auf Landesebene teilnehmen zu dürfen.
Im Laufe des Podiumsgespräches mit Vertretern des Präsidiums des Bayerischen Landtags, des Staatsministeriums für Bildung und Kultus, der Stiftungen und der Projektlehrer wurde allen Zuhörern im Saal bewusst, wie wichtig eine Förderung dieses Wettbewerbs auch in Zukunft ist, wie stark der Einsatz der Beteiligten honoriert und welche Stärken, Selbstvertrauen sowie Mut gefördert werden müssen.
Gerade in Zeiten, die von starken Umbrüchen geprägt sind, in denen keiner die eindeutige Richtung zu verkünden vermag, in welchen Terror, Krieg und Gewalt ein Mittel der Kommunikation geworden und die Verlässlichkeit von Informationen, Veröffentlichungen sowie Meinungen immer weiter angezweifelt sind. Denn letztlich wäre es im Sinne aller, auf einer diplomatischen, sachlichen und inhaltlich korrekten Ebene vernünftig miteinander zu sprechen und gleichzeitig sein Gegenüber zu respektieren bzw. Kritikpunkte am eigenen Standpunkt anzunehmen. Letztlich gilt es, Lösungsvorschläge zum Allgemeinwohl zu verfolgen und nachhaltige, sozial-vertretbare Entschlüsse zu ziehen.

In den Finaldebatten beider Sekundarstufen I und II traten schließlich jeweils die besten vier Teilnehmer aus der jeweiligen Jahrgangsstufe gegeneinander an. Nach einer kurzen musikalischen Umrahmung des Wettbewerbs durch Schüler, konnte die erste Diskussionsrunde zum Thema „Soll der Wildschweinbestand in Deutschland drastisch reduziert werden?“ beginnen. Durch fundiertes Wissen, welches durch Gesetzesartikel, Studien und Expertenmeinungen gestützt wird, erhält jeder Zuhörer während der Debatte umfassende Informationen, mit denen er sich am Ende selbst eine begründete Meinung bilden kann.
Die älteren Schüler der Sekundarstufe II debattierten die Streitfrage, ob wie in Frankreich Lebensmittelmärkte verpflichtet werden sollen, nicht mehr verkäufliche, aber noch essbare Lebensmittel an Hilfsorganisationen abzugeben. Beide Themen sind mit einer Komplexität an juristischen Vorkehrungen, Regelungen sowie Beschränkungen verbunden, weshalb die Recherche im Vorfeld kombiniert mit dem aktiven Einsatz des Wissens auch unter Nervosität ein essentieller Bestandteil vor dem eigentlichen Wettbewerb ist.


Nach der Siegerehrung endete die Veranstaltung um 19 Uhr. Auch wenn letztlich nur die beiden ersten aus den Finaldebatten die nächsthöhere Ebene, den deutschlandweiten Bundesentscheid in Berlin erreichen, so darf nicht vergessen werden, dass nur die besten 48 Teilnehmer aus ganz Bayern im Landesentscheid vertreten waren. Angesichts einer jährlichen Teilnehmerzahl von ursprünglich ca. 25.000 Schülern erhält diese Zahl eine völlig neue Dimension und der nervenaufreibende Einsatz, die zeitintensive Vorbereitung und der Mut, vor Publikum zielsicher die eigenen Argumente zu formulieren, verdient auch in Zukunft Förderung und ein hohes Maß an Anerkennung.

Isabel Fink, Q11